Nikon D750 vs Canon 5D Mark III

Nikon D750 vs Canon 5D Mark III – ein Vergleich

Als erstes möchte ich klarstellen, dass dies ein rein subjektiver Vergleich beider Kameras ist, in Bereichen die für mich als Hochzeitsfotograf relevant sind.

Auch wenn ich hier an bestimmten Punkten rummäkle, dann ist das ein Jammern auf hohem Niveau. Beide Modelle sind wirklich hervorragende Kameras und eignen sich prima für die Hochzeitsfotografie. Natürlich können auch andere Bilder damit gemacht werden 🙂

nikon

Kurz was zu mir

Ich bin ein Canon-Shooter und fotografiere seit jeher mit Canon. Das ist für mich das erste mal, dass ich eine Nikon-Kamera in meinen Händen halte. Beide Kameras haben ähnliche Ausstattungen und sind für Hochzeitsfotografen geradezu ideal.

Ja und warum jetzt eine Nikon?

Ich besitze die Canon 5D Mark III jetzt schon seid fast drei Jahren, und es war mal Zeit für was neues. Da ja aber Canon eher zurückhaltend ist mit neuen Kameras die mich interessant sind und es vermutlich auch noch etwas dauern wird bis ein Nachfolger der 5D Mark III rauskommt, bietet Nikon gerade für den Hochzeitsfotografen etwas mehr Auswahl. Spätestens seid dem Erscheinen der D800 schiele ich immer mal wieder rüber zu Nikon, und jetzt habe ich einfach mal Nägeln mit Köpfen gemacht.

Mir geht es hier auch gar nicht darum mich für ein System zu entscheiden, sondern ich möchte einfach das Beste aus beiden Systemen nutzen, denn wer weiss was Canon als nächstes auf den Markt bringt.

Technische Daten

Hier mal ein paar der wichtigsten Kennwerte

Kameras                       Nikon D750                 Canon 5D Mark III

Sensor                          24,3 MP                       22,3 MP

Autofocus                      51-Punkt AF                 61-Punkt AF

Serienbildgesch.             6,5 B/s                        6 B/s

AF-Messbereich               bis -3LW                     bis -2LW

kürzeste Verschlusszeit    1/4000                       1/8000

Gewicht                          750g                           950g

Größe  (BxHxT)              140 x 113 x 78mm       152 x 116 x 76mm

nikon2

I. Handling und Bedienung

War natürlich schon recht witzig, als ich zum ersten mal die Nikon in die Hand nahm, und mein rechter Zeigefinger an der falschen Stelle gedrückt hat und den Auslöser gesucht hat. Das Handling beider Kameras ist nicht so einfach zu vergleichen, da man sich über die Jahre hinweg schon sehr an ein Kamerasystem gewöhnt. Es wird mit Sicherheit auch noch einige Zeit dauern, bis die Bedienung der Nikon so richtig in Fleisch und Blut bei mir übergeht, deswegen will ich hier auch gar nicht so arg ins Detail gehen. Dennoch gibt es ein paar Punkte die ich ansprechen möchte.

Die Nikon ist gegenüber der Canon etwas kleiner und leichter, liegt aber sehr gut in der Hand. Der Handgriff ist gut gestaltet und passt für mich. Am angenehmsten fühlt die Kamera sich allerdings mit kleinen und leichten Objektiven an, etwas schwere Teile wie z.b ein 1.4/85 wirken nicht mehr so homogen an der Kamera. Hier finde ich die Canon oder auch im Nikonlager die D810 für meine Handgrösse griffiger, insbesondere wenn man ab und an mit nur einer Hand fotografiert.

Die Menüführung der Nikon ist, wie soll ich es charmant sagen, scheisse. Da ist das Menü der Canon klarer strukturiert und einfacher zu durchschauen, man trifft schneller auf den gewünschten Menüpunkt.

Was mich allerdings am meisten stört, ist das gegenüber der Canon recht krontrastarme Display. Ok jetzt werden einige sagen, ich mag es das meine Bilder möglichst neutral angezeigt werden. Hmmm, ich nicht, ich mag es wenn meine Bilder auf dem Display annähernd so aussehen, wie sie dann in einer Bildbearbeitung aussehen sollen. Ich weiss z.b. dass wenn ich auf der 5D noch blau im Himmel sehe, ich eine gute Ausgangsbasis für meine Bildbearbeitung habe. Auf der Nikon sieht der Himmel dann meist nur weiss aus, so dass ich immer wieder zusätzliche unterbelichtete Aufnahmen gemacht habe.

Ok das klappbare Display ist ein echter Pluspunkt, und ich habe zum ersten mal Aufnahmen mit Live View gemacht.

Dagegen gefällt mir bei der Canon besser, dass ich drei individuelle AufnahmeModis einstellen kann, bei der Nikon sind es leider nur zwei. Auch ist sehr nützlich, dass man auf die Abblendtaste den Servo-Auotofokus (Continus AF) legen kann. Eine Funktion die ich sehr häufig nutze. Dies habe ich bei der Nikon leider vermisst. Hierfür musste dann einer der programmierbaren Individualfunktion herhalten, damit ich möglichst schnell zwischen den Autofokusmodis umschalten kann.

Auch dass die Nikon diverse Automatikprogramme wie z.b Strand/Schnee oder Sonnenuntergang hat, finde ich etwas kindisch.

Also wenn ich in dem Bereich einen Gewinner küren müsste, dann heisst der eindeutig Canon.

nikon2-3-1

II. Fotografieren

Ich habe ja im Vorfeld nicht  geglaubt, dass es mich stört, aber die kürzeste Verschlusszeit von 1/4000 der Nikon nervt. Gleich bei meinem ersten Shooting mit viel Sonne, musste ich oft abblenden und ich nutze schon gerne meine Objektive offenblendig. OK hier musste sich Nikon wohl ein wenig zu den grossen Brüdern abgrenzen.

Der Quietmodus der Nikon ist ein Witz. Man muss sich schon anstrengen um einen Unterschied zum normalen Modus zu erkennen. Dennoch ist das generelle Auslösegeräusch nicht unangenehm laut.

Spotmessung, jaaa hier kann Nikon punkten, denn die Spotmessung ist mit dem aktiven Fokuspunkt verbunden, was der Canon leider fehlt (Abgrenzung zum grossen Bruder, blabla). Sehr praktisch ist, dass man die Spotmessung auf die Abblendtaste legen kann (und schon habe ich hierfür eine sehr nützliche Funktion dafür gefunden)

Auch ein kleines nettes Feature der Canon ist der M-Raw-Modus, der bei der Nikon komplett fehlt. Ich nutze den gerne bei Party-Aufnahmen, da ich dafür keine volle Auflösung brauche und so mehr Bilder auf einer Speicherkarte bekomme und die Nachbearbeitung schneller vonstatten geht.

Der Gewinner in dieser Kategorie heisst dann wieder Canon, und somit steht es 2:0.

 

III. Serienbildgeschwindigkeit

Beide Kamera liegen bei der Serienbildgeschwindkeit gleich auf. Nur wieviel Aufnahmen kann ich in Folge machen, bis Daten auf die Speicherkarte geschrieben werden müssen, und die Kamera sich deutlich verlangsamt. Hier bin ich bei der Canon schon leider sehr oft an die Grenzen gestossen.

Ich habe mal einen Test gemacht und die Zeit gestoppt wie lange die Kamera braucht um 25 Bilder auszulösen. Beide Kameras wurden mit gleich schnellen Speicherkarten bestückt. Sicherungskopie auf die zweite Karte

Canon braucht hier  14 Sekunden Nikon dagegen nur 11 s. Ich kann mehr Aufnahmen in Folge machen, bis der Buffer volläuft und dieser wird bei der Nikon etwas schneller verarbeitet.

Also geht hier der Punkt an Nikon, somit 1:2

nikon2-4-1

IV. Autofokus

Eine endgültige Aussagen zum Autofokus kann ich erst treffen, wenn die Nikon zum ersten Hochzeitseinsatz kommt, der allerdings erst im November stattfindet. Dann werde ich hier meine Erfahrungen berichten.

Bis jetzt habe ich bei den ersten beiden Shootings mit der Nikon sehr gute Ergebnisse erzielt. Der Autofokus hat dort gesessen, wo er sein sollte, was bei Canon nicht immer der Fall ist.

Einen kleinen Test habe ich dann doch noch gemach: Ich habe einen weissen Stoff in unserer Garage aufgehängt, mit recht düsteren Lichtverhältnissen. Der weisse Stoff hatte kaum Konturen zum vernünftigen scharf stellen. Dennoch hat der Autofokus der Nikon gegriffen, während die Canon aufgab.

Etwas störend ist, dass die Autofokuspunkte der Nikon im Vergleich zur Canon einen zu kleinen Bereich abdecken.

„Update zum Autofokus“

Nachdem die D750 auf den ersten Hochzeiten zum Einsatz gekommen ist, möchte ich hier noch meine Eindrücke schildern.

Vielleicht liegt es an den hohen Erwartungen, die ich hatte, aber mich hat der Autofokus der Nikon D750 nicht komplett überzeugen können.

Kurz gesagt, der Autofokus der Nikon ist präziser aber auch langsamer wie der Autofokus der Canon. Bei der Nikon stellt der Autofokus sehr präzise und zuverlässig scharf, so dass es kein Problem ist, Objektive mit Ofenblende von 1.4 zu verwenden. Bei Canon habe ich hier deutlich häufiger abgeblendet, da ich mich nicht komplett auf den AF verlassen konnte. Dies ist bei der Nikon kein Problem,  auch abends und in etwas dunkleren Räumen. Gerade hier spielt der Autofokus der D750 seine Stärken aus.

Ich bilde mir ein, dass ich meine Canon 5d Mark III sehr gut kenne und auch weiss, wie sie reagiert und wann sie auslöst, und genau dass ist das Problem, dass ich bei der Nikon hatte. Zu einem Zeitpunkt wo ich gedacht habe dass jetzt die Kamera auslösen musste, hat sie nicht, da sie noch dabei war zu fokussieren oder nochmal den letzten Rest zu refokusieren. Dadurch habe ich den ein oder anderen entscheidenden Moment verpasst. Hier hatte ich dann immer das Gefühl, dass meine Canon schon längst ausgelöst hätte. Ich habe dann die Nikon von Schärfepriorität auf Auslösepriorität umgestellt, um hier Abhilfe zu schaffen.

Vom Papier her hat der AF der Nikon einen grösseren Empfindlichkeitsbereich gerade im Dunkeln. In der Praxis konnte ich hier aber keinen Unterschied feststellen. Wenn es sehr dunkel war, dann hat hier weder die Nikon noch die Canon zuverlässig ausgelöst.

Spass gemacht hat der AF der Nikon vor allem abends bei der Party, mit aufgesetztem Blitz, hier habe ich vom Gefühl her weniger Ausschuss als bei der Canon.

Im direkten Vergleich kann ich hier keine Kamera als Sieger küren. Ich empfinde tagsüber den Autofokus der Canon als schneller, mag aber den präzisen AF der Nikon bei den Portraits und abends bei der Feier.

 

V. Bildanmutung

So jetzt kommen wir langsam zum eingemachten. Wie sehen denn die Bilder aus, die aus beiden Kameras kommen. Bildbearbeitung mit Lightroom mit identischen Einstellungen. Dazu muss man allerdings sagen, dass Lightroom noch keinen vollen Support der D750 anbietet. Adobe stellt zur Zeit den DNG Conferter 8.7 für die Umwandlung der Dateien zur Verfügung.

Die Farben der Nikon sind etwas neutraler und die Hauttöne sehen schöner aus. Bei der Canon gehen die Hauttöne mehr in den Orangebereich. Die Bilder der Nikon sind etwas kontrastärmer. Insbesondere sind bei Canon die Lichter etwas stärker ausgeprägt. Dadurch wirken die Bilder für meinen Geschmack etwas fertiger. Es gehen aber auch Details in den Lichtern und dunklen Bereichen verloren, was aber durch die Bildbeabeitung  in Lightroom in gewissen Massen wieder angepasst werden kann.

Hier ein Bild der Nikon D750 mit Sigma 1.4/35, sehr ausgewogene Farben und natürliche Hauttöne

nikon3

 

Zum Vergleich die Canon 5D Mark III mit Sigma 1.4/50 Art. Bilder etwas mehr orangelastig, zu sehen auch in den Containern im Hintergrund.

nikon4

 

Den Weissabgleich finde ich insgesamt bei Canon stimmiger. Die Bilder der Nikon waren oft etwas zu grünstichig.

 

nikon9

 

Infolge der etwas schöneren Farben und der besseren Details in den Lichtern und Schatten tendiere ich etwas mehr zur Nikon, gefühlt habe ich hier mehr Farben zur Verfügung und eine feinere Tonwertabstufung. Somit steht es 2:2.

 

VI. Bildqualität

So und hier kommen wir zu einem Bereich in dem die Nikon mal so richtig punkten kann. Insbesondere in zwei Bereichen, die aber gerade für mich sehr wichtig sind. Das ist der High-Iso Bereich und die Wiederherstellung in den Schattenbereichen.

Bilder mit ISO 12800 habe ich bei der Canon nicht wirklich gemocht. Da war mir das Rauschen zu arg und auch der Verlust der Details, gerade wenn man versucht hat diese wieder ein wenig zu entrauschen. Die Bilder waren für meinen Geschmack dann immer zu matschig.

Bilder der Nikon dagegen sehen bei ISO 12800 immer noch richtig richtig gut aus, und sind voll gebrauchsfähig. Hier ein Bild bei ISO 12800.

nikon6

100% crop

nikon6-2

 

Was mich vom Anfang an bei der 5DMark III gestört hat, man muss sehr akkurat belichten. Wenn die Belichtung um 1-2 Blenden zu dunkel geraten war, und die Bilder später aufgehellt werden musste, dann waren die Schattenbereiche teilweise grauslich. Starkes Farbrauschen und Artefakte insbesondere im höheren Iso Bereich.

Der Sensor der Nikon dagegen ist eine andere Welt. Bilder bis zu 4-5 Blendenstufen unterbelichtet, haben bei einer Aufhellung immer noch eine tolle Bildqualität. Ausreichend klare Details und nur ein geringes Rauschen, auch im etwas höheren Isobereich.

nikon7-3

nikon7-4

So dass ich hier gleich zwei Punkte eindeutig an die Nikon verteile und dieselbige als Sieger mit 4:2 vom Platz geht.

Ich muss auch echt zugeben, dass diese Bildqualität einen gewissen Haben-Will-Reflex zur D810 ausgelöst hat. Bilder mit diesem Dynamikumfang und der Bildgröße, lecker. Auch wenn diese im sehr hohen Isobereich nicht so gut sein soll wie die D750

 

VII. Fazit

Wow, Nikon hat hier eine Kamera kreiert die für den Hochzeitsfotografen nahezu ideal ist, klein und unauffällig mit einem professionellen Autofokus und einer Bildqualität, die nahezu ihres gleichen sucht.

Canon muss hier bald gehörig zulegen sonst überlege ich mir das mit dem Systemwechsel dann doch nochmal :-). Ich bin schon sehr gespannt auf den Nachfolger der 5D Mark III, und was hier Canon zu bieten hat.

 

Wie wird die Nikon bei mir in Zukunft zum Einsatz kommen? Vermutlich bei Portraitshootings, wo ich gerne wenig und leichte Ausrüstung mitnehme, und bei Hochzeiten überwiegend  abends in der Location, wo High Iso und ein zuverlässiger Autofokus benötigt werden.  Canon werde ich weiterhin überwiegend bei der Reportage verwenden, da für mich hier wichtig ist meine Kamera blind bedienen zu können, und auch der Autofokus gefühlt etwas schneller ist, wenn auch nicht so zuverlässig und präzise wie der der Nikon.

 

nikon5nikon5-2nikon5-3nikon5-4